rATGEBER

Da glaubt man doch tatsächlich, dass man derzeit relativ sorgenlos durch den Alltag hüpft. Bis man den Fehler macht und zu lange vor einer Zeitschriftenauslage abhängt. In Sekundenschnelle bin ich krank, fett, depressiv und ziemlich schlecht angezogen. Mein Blick streift den Knackarsch von Cover 1, wandert zum 40 Kilo in 5 Tagen Diätwunder, um dann beim Finanzreport von Cover 4 hängenzubleiben. Meine Rente ist nicht sicher! Kagge! Da steht das, Schwarz auf Neon. Ich versuche meine Gedanken neu zu ordnen und mit positivem Input zu befüttern. Aber die Schmuddelecke ist eindeutig bereits mit niederem Testosteron verseucht. Zu viele Gottfrieds in Feinkord. Ich entscheide mich für die Kochbücher! Die sind immer freundlich. Bunte zuckersüsse Cover und dennoch keine Kalorien. Oh, shit. Direkt neben Schokoträumen und französischer Brotkunst tapse ich in die depressive Ecke. Die Zeitschriften hier heissen zwar Happy und Emotion, doch drinnen sieht es düster aus. Keine Seite ohne esoterisches BlaBla! Wenn der Hirnlaie von ganzem Herzen helfen will, dann bitte nicht als Redakteur! Mach ne Praxis auf oder nen Zoo! Das nächste Regal meint es auch nicht besser. Ratgeber steht da in grossen Buchstaben über dem Haufen. Ein kunterbunter Haufen an Möglichkeiten. Wer willst du sein? Wann willst du sein? Und was kostet das? 17,95Euro für den genialen Tipp, mal mehr unter Leute zu gehen, wenn man sich allein fühlt. Wow! Bahnbrechend! Mein Ratgeber wird das Thema Aufstehen behandeln. Alle tun es, keiner mag es! Wie man von der Bettflucht loskommt. Ein Kapitel nenne ich ‚Tanz auf Kaltschaum‘! Hörrlich sinnlos

mONOLOG

Auf meinen Fahrten ins Emsland bin ich schon in einige skurrile Situationen geraten. Mal schön, mal schrecklich. Heute scheint meine Zugfahrt dagegen Nerd- und Spackenlos. Meine Sitznachbarin ist sogar derbe nett und riecht nach täglicher Waschung. Hörrlich. Also, mal Zeit zum Nachdenken. Nur ein beständiges Quatschen stört mein KopfKino. Mhhh. Ich bin nun auch kein leiser Mensch. Das weiss ich auch! Dennoch kenne ich die Definition von Dialog. Und wenn jemand alleine brabbelt, ja, dann ist das ein Monolog. Ich lehne mich nach vorne und identifiziere die Dauerstimme. Wollmütze, EulenBrille, VerständnisBlick… der Bart bewegt sich stetig weiter! Auf und zu! Auf und zu! Alta! Die Dame zu seiner rechten macht “mhhhh‘ und ‚ahhh‘! Das kann sie doch nicht ernst meinen. Sein Themenspektrum reicht von DurchfallErkrankungen bis zu seiner Hochzeitsreise. Dazwischen 1000 gesprochene Worte. Glück für die Braut! Pech für die Zugpartnerin! Ich bekomme das Bedürfnis die Frau zu retten. Er labert die kaputt! Warum machen das Menschen? Fehlt denen das ‚fresse-halten‘-Gen? Mir sind vorrangig Männer dieser Gattung begegnet. Es gab schon Treffen, an denen ich absichtlich noch die Rolle auf dem Klo gewechselt hab, nur um länger Ruhe zu haben. Einmal habe ich sogar unverblümt gesagt, dass mich das kein Meter interessiert und der Typ hat einfach weitergeredet. Er hat mich einfach überhört. Vielleicht ist das die Erklärung. Diese Menschen hören super schlecht und um sich ihrer Schwäche nicht bewusst zu werden, quatschen sie ununterbrochen weiter. Ich sollte den Typen einfach fragen: wat mit den Ohren? Ansonsten fallen meine gleich ab! Schnauze!