mASSGESCHNEIDERT

Panik! Pure Panik! So muss sich ne Jungfrau vor nem Pornodreh fühlen. Blankes Entsetzen! Egal, wie ich meine Rundungen vor dem Spiegel auch begradige, dieses Kleid passt nicht. Nicht mehr! Zwei Wochen meiner Lebenszeit habe ich geopfert, um den Reisverschluss ohne Verletzte zu schliessen. Und nun töte ich jemanden. Auch nicht besser. Ich töte zunächst den Reinigungsmitarbeiter und dann direkt mich. Ich esse gerade keine Kohlenhydrate. Ein Amoklauf ist also naheliegend. Dieses Kleid ist eingelaufen (für alle Verrückten! Wagt es nicht anderes zu behaupten)! Ich habe nur noch sechs Tage bis zur platzenden Blamage. Scheisse! Eine Alternative muss her. Schnell. Fett, frustriert und völlig hemmungslos schluchze ich mich durch 30 Kleider. Letzte Lösung: Zweiteiler! Wenn nichts mehr hilft, dann hilft ne künstliche Taille aus Gummizug. Ich könnte nun auch direkt 60 Jahre sein. Denn mehr Sexappeal gibt es in urinbeige auch nicht. Ich bin am Ende. Fast! Denn es ist erst Ende, wenn einer heult. Also geht meine Odyssee der kneifenden Hintern weiter. Ich lande in einer kleinen Boutique. Hoffnung steigt in mir auf, endlich hier das hüftgoldumschmeichelnde Stück Stoff zu sichern. Ich stürze mit der Meterware in die Kabine. Endlich mal Platz um die Plauze. Herrlich. Ein Lächeln wagt sich sogar wieder in meine Visage. ‚Entschuldigen Sie?!‘ spricht mich die knuffige Verkäufern vorm Spiegel an. ‚Haben Sie schon mal dran gedacht als Model zu arbeiten?‘ Nein, ich habe mich nicht verhört. ‚Bitte wie?!‘ stammle ich unsicher. Sie strahlt mich an ‚Wir haben regelmässig Modeschauen und suchen dafür Models. Das wäre bestimmt was für sie.‘ Ich will gerade anfangen laut zu lachen, da trifft allerdings die Erkenntnis in meinem Hirn ein: Übergrössen! Ich stehe in einem Laden für Übergrössen! Über und gross, was für eine bekackte Wortkombination. Ich heule trocken. Die Visitenkarte in der Tasche verlasse ich die Szene und steuere direkt zwei Freunde an: Kurz und Lang. Likör und Wein haben mich nie enttäuscht! Mit jedem Schluck wird es realer und ich besoffener: Was wäre, wenn ich die Twiggy der Dicken wäre!? Dann wäre ich ja irgendwie wieder dünn… Einschenken und weiterdenken!

fÄHRRÜCKT

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Der Pendler ist ein Rudeltier. Sollte er zumindest sein. Denn tagtäglich setzt er sich der sozialen Wechseldusche aus. Was für die Venentätigkeit förderlich wirkt, scheint in der Öffentlichkeit ein durchweg kalter Schauer zu sein. Denn Schlaglöcher, Ampelfehlschaltungen und Baustellen sind die kleineren Übel in Anbetracht der menschlichen Möglichkeiten. Pendler treffen unweigerlich und wiederkehrend auf Mitmenschen. Egal, ob an der Ampel, im Auto oder in der Bahn. Als ich noch mit dem Rad zur Arbeit fuhr, habe ich weniger die Zweibeiner gefürchtet. Da galt meine Angstden amoklaufenden Taxen. Die Definition des Toten Winkels hatte ich auch schnell am eigenen Hosenboden ausgemacht. Die S-Bahn erforderte das Geschick bekannten Gesichtern auszuweichen und unbekannte nicht anzustarren. Der Bus dagegen war eine Tanzfläche auf Rädern. MusikNazis, PoSchrubber und Stinker sind dem Beat des Buses hilflos ausgeliefert. Die Fähre schien die Königsklasse des entspannten Arbeitsweges zu sein. Ja! Aber auch hier gibt es Menschen. Allmorgendlich grummeln und schweigen sich die Wasserratten an. Mein Gott. Als ob die Fähre direkt in die Hölle fährt. Obwohl, für manche ist die Maloche wohl vergleichbar mit dem heissen Ofen. Egal. Humor sollte man sich bei dem ganzen menschlichen Irrsinn jedenfalls bewahren. Daher freue ich mich riesig, wenn so ein besonders böses Exemplar die volle Breitseite jugendlicher Flapsigkeit abbekommt. Schnaubend beschwerte er sich über die Musik eines jungen Mädels. Diese reagierte nicht. Sie solle sich doch mal anständige Kopfhörer holen. Das Mädchen reagiert immer noch nicht. ‚Schalten sie die Musik aus!!‘ schreit er sie an. Keine Reaktion. Er lehnt sich komplett über den Tisch und verursacht einen Sprühregen vor Wut: ‚Hallo!! Ich kann mitsingen. So laut ist die Musik!!‘ Das Mädel zieht den Stöpsel raus und näselt genervt: ‚Das kann garnicht! Das ist spanisch!‘
Die Fähre lacht. Endlich!