rOULADE

„Aber nicht jetzt!“ Die Frau vor mir sieht mich panisch an. Ich lache leise und versuche mich wieder auf meinen Bauch zu konzentrieren. Einatmen, ausatmen. Die Senkwehen sind zwar nicht so schmerzhaft, aber unangenehm. Ein wenig lauteres Geatme hilft da schon. Doch beim Metzger ist das wohl unpassend, wenn das lebendige Fleisch stöhnt. Hier leidet nur die Auslage. „Keine Sorge. Das sind nur Senkwehen.“ entgegne ich. Die Frau scheint nur Wehe zu hören und wird nur noch wuschiger. Sie stochert in ihrer Geldbörse rum, als ob sie hier die passende Antwort findet. Ich binde die Verkäuferin ein und flapse über den Ladentisch „Keine Sorge. Meine Roulade bleibt im Ofen!“ Sie grinst mich an, hält ihr Messer hoch und nuschelt etwas von ‚das kriegen wir auch noch hin! Hier ist alles gekachelt.‘ Endlich mal jemand mit Humor. Normalerweise sind die Reaktionen der Mitmenschen auf meinen platzbereiten Bauch durchweg positiv. Es wird gelächelt und geflachst. Doch sobald ich Signale einer Niederkunftsbereitschaft versende, werden manche Exemplare sehr seltsam. Dabei bin ich alles andere als nervös. Die Hormone versorgen mich mit einer natürlichen Gelassenheit. Was wiederum das Gegenüber noch mehr anstachelt. Als ob ich den kleinen Kerl direkt vor der Aldi-Kasse rauspresse. Obwohl. Um mal wieder für ein wenig Action zu Sorgen, müsste ich einfach nur beim nächsten Einkauf ein wenig lauter Atmen. Sehr reizvoll! Böse Mutti!

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sTRAPSE

ICKE
Ich keuche und schwitze. Mein Kopf ist fest in die Kissen gepresst und ich stöhne unanständige Wörter in die Federn. Man könnte hier einen spaßigen Hintergrund vermuten. Doch keine Sorge, ich liege zwar im Bett, aber aus praktischen Gründen. Denn nur in der waagerechten Position besteht eine Chance den morgendlichen Kampf gegen das Nylon zu gewinnen. Stützstrümpfe! Ein Stütz-BH wäre mir gerade lieber. Aber diese Weichteile sollen ja lieber frei schwingen, um die natürliche Formvollendung in der Schwangerschaft nicht zu behindern. Aha! Unten quetschig, oben quarkig. Läuft! Die ausladenden Körperformen wären mittlerweile auch schwer grazil zu verpacken. Drei Paar Schuhe haben es in die engere Auswahl geschafft und dürfen mich zum Höhepunkt des Platzens begleiten. Eines davon kommt – zum Leidwesen meiner besseren Hälfte – aus der Familie der Birkenstock (an dieser Stelle danke an die liebe Kollegin). Ich verstehe ja, dass viele Männer von hohen Hacken, halterloser Spitze und nuttiger Kriegsbemalung träumen. Aber in der Kugelzeit ist die Realität doch meilenweit davon entfernt: Stütze statt Strapse! Es werden auch wieder andere Zeiten kommen. Zumindest erzählt man das den Kerlen. Und während wir noch Mut machen, denken wir Mädels an Dammriss, Milcheinschuss, Wochenbett, Kinderkotze und blutenden Brustwarzen. Ja, es wird toll werden! Schon mal vorab Danke an eine Extraportion mütterlicher Hormonausschüttung ;P