rOULADE

„Aber nicht jetzt!“ Die Frau vor mir sieht mich panisch an. Ich lache leise und versuche mich wieder auf meinen Bauch zu konzentrieren. Einatmen, ausatmen. Die Senkwehen sind zwar nicht so schmerzhaft, aber unangenehm. Ein wenig lauteres Geatme hilft da schon. Doch beim Metzger ist das wohl unpassend, wenn das lebendige Fleisch stöhnt. Hier leidet nur die Auslage. „Keine Sorge. Das sind nur Senkwehen.“ entgegne ich. Die Frau scheint nur Wehe zu hören und wird nur noch wuschiger. Sie stochert in ihrer Geldbörse rum, als ob sie hier die passende Antwort findet. Ich binde die Verkäuferin ein und flapse über den Ladentisch „Keine Sorge. Meine Roulade bleibt im Ofen!“ Sie grinst mich an, hält ihr Messer hoch und nuschelt etwas von ‚das kriegen wir auch noch hin! Hier ist alles gekachelt.‘ Endlich mal jemand mit Humor. Normalerweise sind die Reaktionen der Mitmenschen auf meinen platzbereiten Bauch durchweg positiv. Es wird gelächelt und geflachst. Doch sobald ich Signale einer Niederkunftsbereitschaft versende, werden manche Exemplare sehr seltsam. Dabei bin ich alles andere als nervös. Die Hormone versorgen mich mit einer natürlichen Gelassenheit. Was wiederum das Gegenüber noch mehr anstachelt. Als ob ich den kleinen Kerl direkt vor der Aldi-Kasse rauspresse. Obwohl. Um mal wieder für ein wenig Action zu Sorgen, müsste ich einfach nur beim nächsten Einkauf ein wenig lauter Atmen. Sehr reizvoll! Böse Mutti!

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