hANDYCAP

 Da! Genau da ist der Schmerz. Der Arzt runzelt die Stirn und fummelt weiter an meinem Handgelenk rum. „Mhhhh. Hier ist die Schwellung. Das ist eindeutig eine einseitige Überlastungserscheinung. Womöglich der Daumen. Haben sie in letzter Zeit irgendwas besonders intensiv mit der linken Hand gemacht.“ Noch bevor diese Frage von meinem Hirn verarbeitet werden kann, führt er fort: „Ach. Was rede ich. Sie haben ja gerade gesagt, dass sie vor kurzem Mutter geworden sind. Da trägt man die Würmer ja unentwegt. Oder seit wann besteht das Problem?“ Genau jetzt, jetzt wäre der richtige Moment gewesen einfach zu lächeln, zu nicken und die Schnauze zu halten. Aber nein! Die Buchstaben sind schon auf dem Weg aus meinem Plappermaul „Eigentlich habe ich die Schmerzen schon seit Ende der Schwangerschaft…“ und weil ich total bescheuert bin, ergänze ich noch „Es könnte von meinem neuen Handy kommen. Wissen Sie, das ist grösser und es liegt anders in der Hand und wenn ich dann auf dem Sofa liege und was tippe, dann halte ich es wohl verkrampft… „. Der Arzt schaut auf und unterbricht Gott sei dank mein beichtartiges Gelaber „Das neue Handy? Aber dann müsste es ja eigentlich besser werden, jetzt da ihr Kind da ist und sie weniger Zeit haben fürs Sofa.“ Wieder ein guter Moment zu lächeln, zu nicken und die Schnauze zu halten. Verpasst! „Na ja, der Kleine schläft ja noch viel. Da ist schon viel Zeit. Und wenn ich ihn so im Fliegergriff halte und telefoniere…“ Mit so viel Offenheit hab ich selbst ich nicht gerechnet. Er noch weniger und wird streng „Wir bandagieren, Sie nehmen Ibuprofen, halten die Hand ruhig und Finger weg vom Handy!“ Ich lächle, nicke und halte die Schnauze! Endlich! 

nIPPELgATE

  

„Ist das nicht ein tolles Gefühl?“ die Krankenschwester strahlt mich an. Ich kneife meine Augen zusammen und atme schwer „Es ist großartig! Aber diese Schmerzen!“ Das will sie garnicht hören „Für die Kleinen nimmt man doch so ein paar Zwickereien gerne in Kauf, oder?!“ Na klar. Zwickereien sehen allerdings anders aus! Ich schaue nieder auf meine blutenden Brüste. Nun verabschiede ich mich schlussendlich von einer Karriere als Pornodarstellerin. Wäre so wohl auch eher ein genmanipulierter  Zombiestreifen. Das Stillen war in meiner Phantasie alles, aber nicht schmerzhaft. Jetzt in der Realität hat es etwas von Nahkampf. Mikkel saugt mich aus, während meine Nippel vor Panik absterben. Wortwörtlich! Der Rechte hat sich sicherheitshalber schon halbiert. Wozu braucht man schon Nippel?! Ich weiss es nicht. Aber ganz viele andere umso mehr. In kürzester Zeit habe ich einen Bauchladen an gut gemeinten Ratschlägen und Hilfsmittelchen. Neben Cremes, Ölen und Wolle sind Teesiebe das skurrilste. Wie eine Art Netz-BH ziehe ich diese zum Schutz an bzw. setze sie auf. Wie eine Käseglocke nur ohne Käse. Einmal unter dem Shirt in Position gebracht sitzen die ganz gut. Aber wehe es klingelt an der Tür und man vergisst die Teekulturen vorher zu entfernen. Der Blick des Paketboten ist unvergesslich. Nein, mir ist nicht kalt. So tieftemperiert kann es auf Erden garnicht werden, dass mein Körper solche Hügel fabriziert. Apropos kalt. Kühlpads sind auch so ein toller Tipp. Drauflegen und das Wunde Fleisch zieht sich in Windeseile zusammen! Super Idee. Aua!!!!!!!!