zAHLEN

  
Was habe ich mich auf diesen Tag gefreut. Meine erste Trainingseinheit im Fitnessstudio. Endlich werde ich wieder Muskeln spüren, die ich seit über einem Jahr nicht mehr wahrgenommen habe. Ich werde Gewichte wuchten und Speck in Stahl verwandeln. Ich mag Krafttraining! Doch bereits die ersten Minuten auf dem PumperParkett weisen mich in meine Schranken. Denn am Anfang der Probeeinheit steht das Gespräch mit dem Trainer „Wie viel haste zugenommen in der Schwangerschaft?“ Ich vernuschele die 18 Kilo ein wenig und betone strahlend, dass mir ja zumindest meine Sporthose wieder passt. Dass sich das Zugbändchen im Bund wie ein Strick anfühlt, verschweige ich. „Und, alles wieder runter?!“ setzt der Trainer nach. Total perplex erwidere ich nur „Fast. So ein paar Kilos fehlen noch!“ Eine Restsumme kommt mir nicht über die Lippen. Eines habe ich gelernt. Zahlen bedeuten Zoff. Meine Tante fragt mich immer noch, ob ich die 10 Kilo schon runter habe. Diese Summe existiert schon lange nicht mehr. Sie ist mir vor Jahren einfach mal über die Lippen gegangen. Diese Zahl ist angestiegen, wurde geschwängert und ist längst verjährt. Heute reden wir von mehr! Mehr ist relativ. Der Trainer hat sein Gespräch noch nicht beendet „Wie alt ist denn der Kleine?!“ Bei dieser Zahl bin ich mir sicher „Fünf Monate!“ Sein Gesicht verzieht sich „Mädchen, du musst Cardio machen, fit werden, Gewicht abbauen und dann kannst du auch mehr Krafttraining machen.“ Aber ich bin doch fit, denke ich stinkig. Hat der schon mal einen 8 Kilo Klops durch die Stadt getragen? Vor allem während der Klops sich wehrt! Oder bei Wind und Wetter die Karre umherkutschiert? Wie machen das denn die ganzen Models. Die sporteln doch direkt nach der letzten Presswehe wieder. Die haben ja auch keine Angst vor Inkontinenz und Pipibeutel. Dabei ist der bestimmt nicht so einfach mit Photoshop zu kaschieren. Ich war sogar vernünftig und habe die Monate gewartet. Nur die nötigsten Muskeln angespannt, um bloß nichts zu riskieren und habe brav das meditative Beckenbodentraining für Muttis mit Sternchen abgeschlossen. Es hilft nichts. Drei Minuten später stehe ich auf dem Crosstrainer und starre das Display wund. Wieder alles voller Zahlen! Zahlen bedeuten Zoff. Ich puste! Er hat recht.

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rEALITÄT

Ein Jahr! 365 Tage! Was hatte ich nicht für ausgeklügelte Pläne für die Elternzeit. Ich hatte so viele Punkte auf meiner gelebten ToDoListe: Aufregende Ausflüge machen, Bücher kaufen und auch wirklich lesen, grüne Gerichte ausprobieren, die Wohnung umgestalten, den PC aufräumen, den Balkon neu bepflanzen, die Socken-/Unterwäsche-/Schmuck-/Strumpfhosen-Schublade neu sortieren bzw. konkreter kategorisieren, tausend lustige Dinge mit dem Mops veranstalten. Hach! Ein halbes Jahr später grübele ich stattdessen über die Frage: Wann war ich eigentlich das letzte Mal Duschen? Ein fröhliches Hallo an die geliebte Realität :p

lAUT gEDACHT

Begegnungen, die kein Mensch braucht, da hilft nur die böse Phantasie…

Och was niedlich! Ist das ihr Baby?

Nein! Ich habe dieses Baby noch nie gesehen! Ach du scheisse! Da ist ein Baby!

Ist das ein Mädchen oder ein Junge? 

Ein als Menschenkind verkleideter Hamster. Ohne Genitalien! 

Es weint ja ganz herzzerreißend. Hat es vielleicht Hunger?

Na klar! Aber ich lasse es grundsätzlich ab mittags hungern. Das hält schlank!

Oder hat es Bauchschmerzen? Kann man da nichts machen? 

Ja, Schalldämmung! 

Früher gab es sowas nicht! Diese Koliken oder wie man das nennt.

Doch! Doch! Doch! Geheult wurde immer schon! Vor allem wegen Fürzen! Das ist keine Erfindung der Neuzeit. Die stinkende Luft treibt doch selbst Erwachsenen die Tränen in den Kanal! Kanal!!! Richtig gehört! 

Ich denke doch, dass es einfach Hunger hat. Schauen Sie wie es mit dem Mund sucht. 

Es sucht nur nach den richtigen Worten, um sie wieder loszuwerden!