pULLE aHOI

Pädagogik kommt nicht von Logik und hartnäckige Marotten erfordern manchmal harten Blödsinn: „Wenn der Weihnachtsmann morgen sieht, dass du noch aus Milchpullen trinkst, dann bekommst du bestimmt babymäßige Geschenke. Wir sollten die Pullen lieber schnell wegschmeißen, damit er dir coole Spielsachen für große Jungs mitbringt!“ Es rattert im Hirn meines Sohnes. Wir schmeißen tatsächlich die Pullen gemeinsam weg. Ich sag euch, wenn das funktioniert, frisst der Osterhase unglaublich gerne Schnuller und bezahlt jedes Exemplar mit Schokoeiern! 

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eNTLASTUNGSBH

  
„Ich hab da genau das richtige Stückchen Stoff für Sie!“, trompetet die engagierte Verkäuferin und rast aus der Kabine. Ich bedecke meine Weichteilchen mit den 2% Elasthan meines Unterhemdes während ich vergebens versuche der Innenbeleuchtung auszuweichen. Ach, das Licht ist doch perfekt zum Augenbrauen zupfen. Mein Gehirn schafft mit solchen positiven Aussagen gleich ein besseres Raumgefühl. Zack, frohlockt eine schrille Stimme aus dem Verkaufsraum: „Wir haben ihre Größe noch. Zum Glück. Die großen Größen bekommen wir immer nur in kleiner Stückzahl.“ Sie schlüpft in die Kabine, hält ihr Juwel hoch und sagt: „Das ist ein EntlastungsBH!“ Ich lächle ein wenig. Ein wenig! „Ach, ein EntlastungsBH. Toll…!“ höre ich mich sagen. Ich habe mich schon lange von der Idee verabschiedet bei Hansi/Mausi, Hanke Möllers und co. einen passenden Büstenhalter zu finden. Da gibt es nämlich genau gar keine Auflage für mein Format. Aber ein EntlastungsBH? Ist es jetzt soweit! Das Gummi wird breiter, vier statt zwei Haken und Farbauswahl zwischen menschlich mieder oder fahl krank. Nein! Bevor ich weiterdenken kann, sind meine Weichteile auch schon eingetütet. „Mensch, der stützt doch perfekt! Schauen Sie mal, der schneidet nicht ein.“, sagt die Verkäuferin, hält die BH-Träger fest in den Händen und lässt meinen Balkon wippen. Jegliche Bepflanzung wäre rausgefallen. Ich brauche keinen EntlastungsBH. Ich brauche einen ganzen EntlastungsAnzug! Warum soll es meinen Brüsten bessergehen als mir! ICH will Entlastung! Durchschlafen, Netflixen, Kakao trinken, abhängen, weiter abhängen! Keine Wutanfälle und Möchtegerne-Schokolade-statt-Wurst-Situationen bewältigen. Dreißig Gedanken und 20 Minuten später kaufe ich die Entlastung für meine Brüste. Wenigstens die! Und dann träume ich davon, wie man auf den „Bitte Bedienen“-Button in der Kabine drückt und ein kompletter Entlastungsanzug aus der Decke kommt. Wie bei Batman im Keller! Dann zieht man diesen Art SupermomAnzug an und alltägliche Schwerkraft ist einfach aufgehoben. Fantasie ist toll!

mÖWE mOLLE

Da habe ich mich riesig gefreut als die liebe Lisa auf mich zukam und fragte, ob ich nicht Lust hätte eine kleine Geschichte für ihren Blog ichsowirso zu schreiben. Eine Einschlafgeschichte für kleine Helden. Was habe ich gegrübelt. Wird es eine Quatschgeschichte über eine Kuh? Oder doch ein Piratenabenteuer mit einem Fuchs? Nein! Es muss hier aus der Gegend sein. Aus dem Norden. Mit viel Herz und ganz vielen Federn. Es muss eine Möwe sein! So wurde Molle geboren. Und nun hat sie auch ein echtes Federkleid. Denn die tolle Diana Kohne (Hand & Maus) hat das Möwenmädchen und ihre Freunde super liebevoll illustriert. Ich hätte mir die Charaktere nicht goldiger vorstellen können. Nochmal ganz dickes Danke!

Im ersten Abenteuer hat Molle Probleme mit dem Einschlafen. Wer kennt das nicht?! Lest hier, wie Hanno seinem Möwenmädchen hilft…

MolleMöweHanno_72dpi

Das sind Hanno, die Möwe Molle und der Hund Piet!

lACH dOCH mA! mEINE gESICHTSBREMSE 

  
„Jetzt ist aber genug!“ Meine Mutter zieht den Teller mit dem Berg Pfannkuchen vor meiner Nase weg. Ganz bestimmt nicht. Ich will noch mindestens alle essen! Eine Trotzreaktion aus Kindertagen, aber ein Gefühl, das ich heute noch oft habe. Mehr! Mehr! Und noch mehr! Es kann manchmal gar nicht genug von einer Sache sein. Oft ertappe ich meine Maßlosigkeit erst viel zu spät. Beim Essen habe ich mir über die Jahre einen Blick antrainiert. Da weiß ich ganz genau, wann ich über die Strenge schlage. Und ich gehöre bestimmt nicht zu den Frauen, die behaupten, dass sie nicht wüssten, warum die Jeans plötzlich so eng sitzt. In anderen Bereichen fällt mir diese ehrliche Betrachtung schwerer. Vielleicht auch, weil manche Verhaltensweisen noch gar nicht lang genug erprobt werden konnten. Ich denke da konkret an mein Handy. Mein erstes Handy wurde nur zum Telefonieren genutzt. Wenn ich bei dem Nokia-Knochen ausversehen mal die Weltkugel ausgewählt hatte, habe ich vor lauter Schreck alle Tasten gleichzeitig gedrückt, um bloß wieder raus aus diesem Internet zu sein. Sonst konnte es echt teuer werden! Heute würde ich durchdrehen ohne Internetempfang. Mein Handy gehört zu mir wie die Milch in meinen Kaffee. Undenkbar, wenn der Bildschirm oder die Tasse schwarz bleiben würde. Ob das noch normal ist? Schwer zu sagen! Was ist denn überhaupt normal im Umgang mit der modernen Kommunikation? Langfristige Studien kann es doch noch gar nicht geben. Geschweige denn verlässliche Aussagen, was die extreme Handynutzung später für Auswirkungen auf uns hat. Dennoch merke ich – persönlich – Veränderungen, die mir nicht passen. Mein schmerzendes Handgelenk war beispielsweise ein Ergebnis der Überbelastung. Warum mussten das Display und die Handys immer größer werden? Dann ist das mit dem einhändigen Tippen auch nicht mehr so einfach. Die ständige Erreichbarkeit ist ebenfalls Fluch und Segen zugleich. Man sitzt im Auto und das Handy klingelt. Es sind noch 15 Minuten bis daheim. Ich will dennoch sofort sehen, wer etwas von mir will. Total Panne! Womöglich würde ich sogar anhalten und kurz das Handy aus der Tasche holen. Denn mittlerweile habe ich das Gerät in die Tasche verbannt. Damit man gar nicht erst in Versuchung kommt da drauf zu gucken. Warum ich aber überhaupt auf dieses Thema komme und mich mehr mit meiner eigenen Medienkompetenz befasse, war eine klitzekleine Erkenntnis: Ich besitze derzeit 4.150 Fotos auf meinem Handy. Ungefähr ein Jahr bilden diese ab. Wenn ich so weiter mache, und hoffentlich alt werde, dann könnte ich mit 80 Jahren ca. 178.450 Fotos auf der Festplatte haben. Eine Fernreise nicht einkalkuliert. Da verknippst man ja mal direkt 3000 Bilder. Wer will sich bitte so viele Bilder noch einmal angucken? Habe ich mir überhaupt mal die Bilder aus den letzten fünf Jahren in Ruhe angeschaut? Bin ich glücklicher mit diesen ganzen Momentaufnahmen? Seit der Muckel da ist, bin ich noch besessener von Schnappschüssen. Dabei fällt mir jetzt erst auf, dass ich in vielen Momenten einfach mal das Handy hätte zur Seite packen sollen. Dann würde Muckel seine Mutti auch nicht mit so einer „Gesichtsbremse“ sehen. Ich habe extra Mal ein Foto davon gemacht… um zu erkennen, dass ich weniger Fotos machen sollte. Herrlich, diese Logik!  

Trotz dem Trotzkopf

  
Einer heult immer. Heute heule ich. Ich starre auf das Kopfsteinpflaster vor meinem Auto. Mein Auge tuckert. Der Tritt saß. Ich wäre nun gerne schon drinnen. Ach was, ich wäre gerne schon fünf Kilometer weit weg. Nämlich zu Hause. Das ist aber nicht der Plan von Muckel. Der wütet auf statt in seinem Kindersitz. Anschnallen? Tja, keine Chance. Ich hätte nie gedacht, dass ein zweijähriges Kind schon Superkräfte hat. Das Veilchen unter meinem linken Auge ist der Beweis und wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben. Auch, wenn es keine Absicht war. Das weiß ich. Die Wimpern wachsen zum Glück nach. Also sitze ich, noch ziemlich benommen, mal neben ihm, mal auf der anderen Seite. Ein Versuch am Lenkrad. Fehlanzeige. Selbst Leo Lausemaus bei einer Lautstärke für Schwerhörige wirkt nicht. MennoMaus! Die Tränen kullern schon – auch bei ihm. Es macht einen so traurig ihn so „daneben“ zu sehen. Ganz neben der Spur. Furchtbar. Ich wurde ja immer vor dieser Phase gewarnt. Jetzt weiß ich warum. Ich habe in den Arm genommen, gesungen, geschimpft, abgelenkt, gedrückt, noch fester gedrückt, ignoriert, diskutiert. Keine Aktion von mir war scheinbar komplett richtig. Das ist so was von frustrierend. Man kriegt im Leben alles irgendwie geregelt und dann steht da so ein Wutzwerg und stellt alle pädagogischen Grundregeln in meinem Hirn auf den Kopf. Mir war ja schon bewusst, dass wir daheim einen temperamentvollen Burschen haben, aber dass er mir emotional so viel abverlangt, hätte ich nicht erwartet. Nach einer Ewigkeit erwische ich einen guten Moment. Ich schreie direkt in sein Hirn „Schau mal ein Baaaaagggggeeer!!!“ Der Wahnsinn in seinem Blick erlischt nur für eine Millisekunde. Das reicht mir. Er ist angeschnallt. Wir heulen uns nach Hause. Wir heulen uns in den Fahrstuhl. Wir heulen uns in die Küche. Es kommt mir vor wie eine Ewigkeit. Ich sitze am Küchentisch und atme. Mehr geht gerade nicht. Und dann höre ich ein leises und zögerliches „Trecker spielen?“. Er ist wieder da. Mein Mucki. Bis zum nächsten Wahnsinn.

vERSCHNULLERT

Plumps. Da ist der Schnuller wieder über die Gitterstäbe geflogen. Es gibt Geräusche, die machen mich wahnsinnig. Plastik plumpst auf Holz gehört eindeutig dazu. Und das süffisante Kichern aus dem Bett macht meine Laune nicht besser. Mops hat sein neuestes olympisches Spiel bis zum Erbrechen perfektioniert. Er täuscht Schlafen an, um fünf Sekunden später gackernd am Gitter zu stehen und seinen Schnuller rauszupfeffern. Er freut sich förmlich die Windel nass. Das macht er nicht ein oder zweimal. Er macht das neuerdings 45 Minuten lang! Mein nervlicher Rekord! Mies! Ich sitze dann in meiner pädagogischen Matrix fest. Die Muddi sagt ‚atmen, ruhig bleiben und konsequent den Mops wieder in die Liegeposition befördern‘! Die Schrotte sagt ‚Schnuller mit einer Heckenschere durchtrennen, wild schreiend die Plastikreste in den Anus von Spieluhrhasi befördern und unanständige Wörter in die Luft schreien‘! Jetzt mag man denken, lass doch den Schnuller da auf dem Boden liegen und ihn rumquaken bis er müde ist. Tja, so hab ich auch mal gedacht. Netter Versuch! Mops hat mein stimmliches Organ. Und wir mögen unsere Nachbarn. Ich freu mich schon auf heute Abend … ahhhhhh! Ich lege einfach sechs Schnuller mit ins Bett. Dann gibt es ein wahres PlastikFeuerwerk. Humor ist eine gute Waffe!