cORONATAINMENT

  
Was man so zu sagen hat im alltäglichen MuttiTasking:

– Nimm den Buggy aus der Spülmaschine!

– Nicht so doll! Bekommt er denn noch Luft? 

– (Heul) Gleich…

– zieh deine Hose hoch!

– Pssst… Mama telefoniert… PSST… wartet… bitte… ach Fuck. Was ist denn?

– Wo ist deine Unterhose? Wo sind alle deine Hosen? Warum ist der Kleiderschrank leer?

– Wieso hat dein Bruder eine Beule? Ich war das nicht, ist die falsche Antwort! 

– Ich koche jetzt. Ich habe Hunger. Ich koche ja jetzt. Ich habe HUNGER. Ich schneide einen Apfel. Ich habe richtigen Hunger. Ich koche ja schon. (Heul)

– (Heul) Gleich…

– Mama, warum ist Milch im Weltraum eine Blase?

– Warum liegt hier überall Essen im Bett?

– Zieh dir mal bitte eine richtige Hose an!

– Ja, das iPad ist immer noch kaputt! Die Werkstatt hat auch Corona! (Heul)

– (Heul) Mal gucken was auf KiKa läuft!

– Ich mache die Tür auf! Ja, das Paket ist nicht für dich (Heul)

– Mama, guck mal! 

– Mama, guck mal!

– Du hast so viele Spielsachen! Sortier doch mal nach Farbe! 

– Das gehört Papa! Nur gucken! Das ist das mit den Augen! Finger weg!!!!

– Wer war an meinem Computer?

– Auch was gesundes! Ja, in Ketchup sind Tomaten. Mist.

– Auch das Brot essen! Nicht nur die Wurst! 

– Beide Hände an den Becher… Argh… zum Glück nur Wasser… ach scheiße … SaftSchorle

– Haben wir immer noch Urlaub? Jaaaaaaaaa 

– Willst du was malen? Nein. Willst du puzzeln? Nein. Willst du raus? Nein. Dann kann ich dir auch nicht helfen (Heul)

– Runter vom Tisch!

– Ich bin nicht müde! Ich aber! 

– Mama, guck mal! Das sieht aus wie ein Fisch! Dann schick ihn bitte schnell durch den Abfluss ins Meer. Immer diese Klogespräche. 

wUT

Authentisch! Ja, authentisch war ich heute mehr als gewollt. Wie ich da mit einem zu kleinen Rad meiner Nachbarin, wehenden Haaren und nackten Füssen durch unsere Siedlung gebrettert bin. Schreiend, fluchend, wutentbrannt. Mops hat sich aus dem Staub gemacht. Crogs an und tschö! Der Anruf vom Kerl hat mir glatt die Birkenstock weggezogen. Wie bitte?! Passte ihm nicht, dass ich einen Kaffee trinken war bei der lieben Nachbarin. Wie bitte?! Und wollte auch wohl länger wegbleiben. WIE BITTE!!!! Ich war/bin/bleibe so sauer über so viel Dickköpfigkeit! Was fällt dem Knievolk ein! Angst, Wut, Hilflosigkeit. Das ist so ein gefährlicher Cocktail fürs Hirn. Und dann noch der zu enge Jeansrock! Dann die Erleichterung als ich ihn endlich mit strengen Worten auf den Gepäckträger schnallen konnte. Zu Hause angekommen – große Standpauke! Viele Tränen. Mops hat nicht geweint. Er wollte einfach weg. Ja, super! Viereinhalb ist auch das perfekte Alter für den ersten „Auszug“. Authentisch bleiben! Das ist ein Rat von Jesper Juul, meiner pädagogischen Souffleuse. Bin ich. Laut und verdammt nochmal sauer! Sowas von authentisch! Drei Jahre gealtert! Danke an das unglaublich autonome Knievolk! 

wASSER

Warnung! Mops hat sich soeben an dem herabstürzenden Wasser in der Dusche schwer verletzt. Ich glaube, ich habe sogar den temperaturversagenden Tropfen gesehen. 37,5 statt 37,0 Grad. Oh mein Gott. Es hat auch fast geblutet. Es hat auch fast einen Rettungseinsatz verursacht. Wer denkt schon an die Rettungsgasse im Bad! Ich möchte euch wirklich warnen, überlegt gut, ob es die Sache wert ist… saubere Kinder?! Es ist so gefährlich! Denkt an eure Nerven!

uRLAUB oDER sO äHNLICH

 
Was hab ich mich wund gelacht. Zu Hause auf dem Sofa. Diese ganzen lustigen Sprüche, Tweets, Memes zum Thema „Urlaub mit Kindern“! Herrlich. Und wisst ihr was, sie haben alle recht. Alle. Ich wunder mich nicht mehr, dass die Scheidungssrate nach der Urlaubszeit am größten ist. Erwachsene hoffen auf Erholung. Kinder hoffen auf Aktion. Es startet schon mit der Fahrt. KofferraumTetris trifft Wunschkonzert. Alles muss mit. Irgendwie. Hat sich der Kuscheltiertransporter endlich in Bewegung gesetzt, wird in Sekundentakt das Navi gecheckt. Wann kommt der Stau? Wieso ist denn hier noch kein Stau? Ist doch Ferienzeit! Freude. Kurz. Denn dann geht es los mit den großen und kleinen Bedürfnissen. Kind 1 muss auf Klo. Nach genau 10 Minuten Autofahrt. Nicht, dass wir nicht zehnmal vorher gefragt hätten. Kind 2 merkt plötzlich, dass man im Auto ja gar nicht laufen kann. Dabei hat es diese Fähigkeit gerade erst erworben und will sie überall anwenden. Scheiße! Es fängt an zu Heulen. Hach, nur noch vier Stunden Autofahrt. Lösung: Laut Singen. Immer den gleichen Fühl-Dich-Gut-Beruhigungssong. Es wirkt. Kind ist ruhig. Mann genervt. Denn Frau respektive ICH singe nicht studioask. Pech. Ich genervt. Ich überdenke meinen alkoholischen Vorrat im Kofferraum. Wir hätten doch weniger Windeln und mehr Wein einpacken sollen! Kosten/Nutzen-Rechnung. 

Und dann kommt man nach sieben Stunden Fahrt nass geschwitzt, heiser und mit Kekskrümmeln in der Bettwäsche am Ziel an. Dünen, Meer und große Kinderaugen. Ist es das, was Urlaub ausmacht? Wenn die Vorfreude zum Jetzt wird? Vielleicht. Urlaub mit Kindern ist auf jeden Fall eine Herausforderung. Als Single musste es einfach nur warm und mit viel Happy Hour sein. Jetzt analysiere ich schon Wochen vorher den nächstgelegenen Supermarkt, die geschlossene Terrasse des Ferienhauses und die Ausstattung der Küche. Es gibt so viele schwachsinnige Dinge zu klären: Ist das Wasser im Meer auch warm genug zum Baden für die Kinder? Gibt es zumindest eine Badewanne? Und dann steht dein Kind an dem wunderschönen Strand und bekommt einen Wutanfall von dem Sand! Ähm. Ja. Egal, was du vorher planst, es kommt anders. Kinder sind ein fleischgewordener Plot Twist. Rechne nie mit einer bestimmten Handlung. 

Man ärgert sich noch über die Sturheit des Knievolks und dann sitzen die zwei da im Gras, blinzeln in die Sonne und Lachen über einen Furz. Hach, ein Hauch von Urlaub. Zwar etwas stinkend, aber schön. Ich halt das ganz schnell fest. Wer weiß, was in diesem Film noch passiert. 

aUFGABENBOARD

Fast. Fast hätte ich den Mops soweit gehabt. Sein Fuß hat zumindest schon mal die Sandale berührt. Aber es war ein Täuschungsmanöver. Mit einem Lufttritt bewegt er das Schuhwerk Richtung Himmel und klagt: „Ich bin viel zu schlapp! Du sollst das machen!“ Schlapp sieht anders aus. Während er sich auf dem Boden windet, zieht er seine Jacke auch schon wieder aus. Menno, wir waren doch schon fast draußen. Und die Reihe geht von vorne los. Kleidung hinhalten, Motivieren, Ruhig bleiben, panisch auf die Uhr glotzen, grenzdebil lächeln und innerlich stirbt irgendwo ein Einhorn. Jede Zelle meines Körpers eskaliert. Der ewige Kreislauf mit Kind. Wie bekomme ich den Mops dazu, mehr bei diesem alltäglichen Wahnsinn zu kooperieren? Wie lernt er mehr Selbstständigkeit? Wisst ihr was, einfach nicht helfen! Das hätte ich früher geantwortet. Da war ich noch Single. Aber ein Stück Wahrheit steckt da doch drin. Ich muss weniger mithelfen. Ein wenig Motivation für den Mops muss her. Wir brauchen ein Aufgabenboard. Das ist doch total angesagt bei den pädagogischen Vorreitern und in jedem noch so dicken Ratgeber empfohlen. ToDos wie Anziehen, Zähne putzen oder Hände waschen werden spielerisch dargestellt. Übersetzt: Arbeit in Spaß versteckt! Die Frage der Gestaltung war schnell geklärt. Mops wünscht sich Bilder und schleppt direkt seine Bastelbox an. Cool! Er ist aktiviert und will mithelfen. Nur wie bringe ich unsere Bastelkünste hübsch an unsere Flurwand? Das Board muss ja für den Mops gut sichtbar sein. Gut sichtbar ist es dann aber auch für uns und unsere Gäste. Kurz denke ich an verklebte Schnipselarbeiten mit Glitzer und den schwarzen Wachsmalstift an der weiß verputzten Wand. Nein! Es soll schon schick aussehen. Mensch, mein Kerl baut doch auch Memoboards in seiner Flussbrett-Werkstatt. Zack, sind zwei gemopst. Eines für morgens und eines für abends. Perfekt!

 

Und ich bin echt mega happy mit unserem Ergebnis. Noch wichtiger als die Optik, die Wirkung. Mops fühlt sich endlich zuständiger. Er stirbt zwar bei jedem Stück Stoff noch den sterbenden Schwan, aber der Wille zählt. Man macht mit so einem Board aus einem Kaktus halt auch keine Tulpe. Aber das wollen wir ja auch nicht. Ein paar weniger Stacheln im Alltag reichen uns schon.

dURACELaFFEN

Da gehste extra mit dem Knievolk nachmittags noch zum Kinderturnen, damit man abends früher Feierabend hat! Ich schleppe gerne einen 10 Kilo Mops durch die Halle, während ich die 20 Kilo Ausgabe ermuntere eine Rolle zu machen. Null Problemo. Hauptsache die Kinder haben Spaß. Und was ist mit meiner Quality Time!? 21:30h! Kissen, Tiere, Bettzeug liegen plötzlich im Flur! Kind auch! Der ganze Berg aus Weichtieren bewegt sich vorwärts. Was machst du da?“, frag ich. „Geh mal zur Seite. Wir machen einen Ausflug!“, wird schnippisch erwidert. WTF! Also, setzt nicht auf das mürbe machen mit Bewegung. Sie werden uns alle noch platt machen. Das Knievolk trickst uns nur aus. Das sind fleischgewordene DuracelAffen!!!! Ich bin zu müde zum aufregen. Gute nacht 😴
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