lACH dOCH mA! mEINE gESICHTSBREMSE 

  
„Jetzt ist aber genug!“ Meine Mutter zieht den Teller mit dem Berg Pfannkuchen vor meiner Nase weg. Ganz bestimmt nicht. Ich will noch mindestens alle essen! Eine Trotzreaktion aus Kindertagen, aber ein Gefühl, das ich heute noch oft habe. Mehr! Mehr! Und noch mehr! Es kann manchmal gar nicht genug von einer Sache sein. Oft ertappe ich meine Maßlosigkeit erst viel zu spät. Beim Essen habe ich mir über die Jahre einen Blick antrainiert. Da weiß ich ganz genau, wann ich über die Strenge schlage. Und ich gehöre bestimmt nicht zu den Frauen, die behaupten, dass sie nicht wüssten, warum die Jeans plötzlich so eng sitzt. In anderen Bereichen fällt mir diese ehrliche Betrachtung schwerer. Vielleicht auch, weil manche Verhaltensweisen noch gar nicht lang genug erprobt werden konnten. Ich denke da konkret an mein Handy. Mein erstes Handy wurde nur zum Telefonieren genutzt. Wenn ich bei dem Nokia-Knochen ausversehen mal die Weltkugel ausgewählt hatte, habe ich vor lauter Schreck alle Tasten gleichzeitig gedrückt, um bloß wieder raus aus diesem Internet zu sein. Sonst konnte es echt teuer werden! Heute würde ich durchdrehen ohne Internetempfang. Mein Handy gehört zu mir wie die Milch in meinen Kaffee. Undenkbar, wenn der Bildschirm oder die Tasse schwarz bleiben würde. Ob das noch normal ist? Schwer zu sagen! Was ist denn überhaupt normal im Umgang mit der modernen Kommunikation? Langfristige Studien kann es doch noch gar nicht geben. Geschweige denn verlässliche Aussagen, was die extreme Handynutzung später für Auswirkungen auf uns hat. Dennoch merke ich – persönlich – Veränderungen, die mir nicht passen. Mein schmerzendes Handgelenk war beispielsweise ein Ergebnis der Überbelastung. Warum mussten das Display und die Handys immer größer werden? Dann ist das mit dem einhändigen Tippen auch nicht mehr so einfach. Die ständige Erreichbarkeit ist ebenfalls Fluch und Segen zugleich. Man sitzt im Auto und das Handy klingelt. Es sind noch 15 Minuten bis daheim. Ich will dennoch sofort sehen, wer etwas von mir will. Total Panne! Womöglich würde ich sogar anhalten und kurz das Handy aus der Tasche holen. Denn mittlerweile habe ich das Gerät in die Tasche verbannt. Damit man gar nicht erst in Versuchung kommt da drauf zu gucken. Warum ich aber überhaupt auf dieses Thema komme und mich mehr mit meiner eigenen Medienkompetenz befasse, war eine klitzekleine Erkenntnis: Ich besitze derzeit 4.150 Fotos auf meinem Handy. Ungefähr ein Jahr bilden diese ab. Wenn ich so weiter mache, und hoffentlich alt werde, dann könnte ich mit 80 Jahren ca. 178.450 Fotos auf der Festplatte haben. Eine Fernreise nicht einkalkuliert. Da verknippst man ja mal direkt 3000 Bilder. Wer will sich bitte so viele Bilder noch einmal angucken? Habe ich mir überhaupt mal die Bilder aus den letzten fünf Jahren in Ruhe angeschaut? Bin ich glücklicher mit diesen ganzen Momentaufnahmen? Seit der Muckel da ist, bin ich noch besessener von Schnappschüssen. Dabei fällt mir jetzt erst auf, dass ich in vielen Momenten einfach mal das Handy hätte zur Seite packen sollen. Dann würde Muckel seine Mutti auch nicht mit so einer „Gesichtsbremse“ sehen. Ich habe extra Mal ein Foto davon gemacht… um zu erkennen, dass ich weniger Fotos machen sollte. Herrlich, diese Logik!  

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dRECK

Photoshop: Vergeblich versucht einen schwarzen Punkt wegzupinseln, um dann fünf Minuten später zu schnallen, dass es ein Fliegenschiss auf dem Bildschirm ist. Scheiss Dreck!

gELACKT

Mein heutiges Highlight in Sachen Männerlogik… Ich: Boh, ich lass mir meine Nägel ab jetzt immer bei einer professionellen Maniküre machen. Das sieht voll toll aus! Wat hältste davon?

Kerl: Brauch doch erstmal deine ganzen Nagellacke auf! 

Ich: ähm. Wat?! Ähm … 

Wie erklärt man bitte einem Kerl, dass man nicht 25 unterschiedlich nuancierte Nagellacke besitzt, um sie einfach der Reihe nach aufzubrauchen?! HALLO! Der Pinsel erreicht von je her nicht mal den Boden der Pullen. Die wurden noch nie zum ‚aufbrauchen‘ produziert. Und wenn doch, dann ist meine nächste Maniküre in 15 Jahren 😳

tEMPERAMENTO

  ‚Tuuuuuc Tuuuuc!‘ kreischt es durch die engen Gassen. Sightseeing auf drei Rädern, ohne Verkehrsregeln. Mein Magen vibriert wie in einer Achterbahn. Wild gestikulierend und wie ein Wasserfall quasselnd brettert Juan mit uns über die Schlaglöcher. Neben meinen Innereien habe ich vor allem Mitleid mit dem Tuc Tuc – einem strahlend blauen Piaggio. ‚Made in Italia!‘ schreit er immer wieder begeistert in den Fahrtwind. Ich denke nur ‚Arme Gangschaltung!‘ Ächzend kämpfen wir uns bergauf, bergab und Juan gibt uns eine Kostprobe portugiesischer Lebensart. Eine rote Ampel ist nur ein Angebot, das die Portugiesen mal mehr, mal weniger nutzen. Unser Fahrer beherzigt eindeutig weniger. Ein Zebrastreifen ist ebenfalls nur zur Anschauung und nicht zum gefahrlosen Betreten gedacht. Juan schreit, lacht, schimpft, pfeift, hupt und singt. Alles gleichzeitig! Meine norddeutsche Mentalität ist mit so viel Menschsein vollkommen überfordert. Mein Temperament beschränkt sich auf die Verteidigung meines Essens. Das Barometer der Leidenschaft steigt je nach Fettgehalt der Lebensmittel. Also, Finger weg von meinen Pommes. Während ich noch über kulturelle Unterschiede nachdenke, streitet sich Juan bereits mit dem nächsten Taxifahrer. Es muss tierisch anstrengend sein, sich den ganzen Tag so aufzuregen. Doch drei Autos später grinst Juan schon wieder und flirtet mit einer Brünetten zu unserer Linken. Ich hätte bei dieser hupenden Blechlawine schon einen Herzinfarkt bekommen. Zu viele Emotionen am Steuer! Aber Juan scheint jetzt erst richtig warm zu werden. Tuc Tuc de Temperamento! 

gEILER lÄRM

Kein Ton entkommt mehr der Luke. Wortwörtlich habe ich den Schreihals mit Hirsekringeln still gestopft. Falls ich irgendwann mal gesagt haben sollte, dass man Kinder nicht mit Futter stilllegt – Ich war dumm. An einer zehn Meter langen Schlange einer Supermarktkasse ist einem fast jedes Mittel recht. Guter Dinge stelle ich mich an. Stinker mampft zwar noch, aber die Hände zupfen schon an der scheiss Mütze. Der nächste Bock ist in den Startlöchern. Ich mach mich sicherheitshalber schon mal zum Horst. Man macht sich eigentlich ständig zum Horst. Das habe ich auch schon ohne Kind. Sollte ich mal hinterfragen. Plötzlich lacht sich Stinker vollkommen kaputt. Aber nicht wegen mir. Neben uns in der Schlange fängt ein kleines Mädchen aus voller – nicht vorhandener – Brust an zu singen. Sie ballert einen Song nach dem nächsten raus. Sie trifft keinen Ton und ihren pinken Plastikzauberstab wirbelt sie wie eine Verrückte durch die Luft. Geil! Ich finde die Kleine göttlich. Das ist ihre Bühne. Mit vier Jahren gehört dir noch nicht die Welt, aber der Supermarkt! Alle gucken. Stinker feiert sie total ab und vergisst sogar zu Kauen. Nach und nach fallen Hirsebröckel einfach ungenutzt aus seinem Mund. Was für ein Bild. Ihre Mutter ist wohl kein Fan. Sie starrt derbe genervt ihre Einkäufe an. Also, als Managerin hat sie schon jetzt versagt. Gleich drei ältere Damen drehen sich um und nicken der Kleinen aufmunternd zu. Nur eine frustrierte Frau raunzt etwas unverständliches in die Richtung der Kleinen. Die Mutter reagiert sofort und ermahnt die Kleine ruhig zu sein. Das interessiert die gar nicht. Sie wird nur noch lauter und die Töne noch schiefer. Stinker wippt schon voller Begeisterung mit. Jetzt nimmt die Mutter einen Riegel vom Band und gibt ihn der Kleinen. Tja, Schokolade schlägt Entertainment. Die Kleine pfeffert ihren Zauberstab in den Buggy und futtert. Och nein. Nicht jeder Lärm muss mittels Zucker gedämpft werden! Es gibt doch auch geilen Lärm! Beim Rausgehen sehen wir die Kleine wieder und ich kann mir ein ‚Du hast supertoll gesungen!‘ nicht verkneifen. Die Kleine grinst frech und greift direkt wieder zu ihrem Zauberstab. Juhuuuuu! Und sie wird doch eine Sängerin. Zwar keine gute und besser mit Playback, aber mit verdammt viel Feuer im Arsch!

aUSFAHRT

Es soll ganz viel Platz haben! Aber kein Kombi. Kombi geht nicht. Damit kann ich nicht einparken. Schwarz wäre auch schön. Und bloß nicht so hässliche Polster. Ach ja, Sitzheizung, unbedingt! Mein Arsch braucht es warm!“ Mein gedankliches Traumauto kommt gerade erst in Fahrt. Mein Kumpel hätte das Gespräch jetzt beenden und einfach über das Wetter schimpfen sollen. Aber er ist motiviert „Was ist denn mit einem Japaner oder Franzosen?“ Egal, wie sehr ich mein Hirn anstrenge ein Bild eines Franzosen in eine Karosserie zu pressen. Es kommt kein Auto raus. Wenn man meine Schaltzentrale mit unverwertbaren Input füttert, läuft man Gefahr, dass nur noch Scheiße rauskommt. Daher antworte ich risikobereit „Also, so ein Renault oder so?“ Kumpel erfreut über meine Transferleistung „Genau, zum Beispiel! Die kriegste gebraucht auch schon recht günstig. Willst denn einen Gebrauchten oder lieber Neuwagen? Diesel? Benziner? PS? Kilometerstand? Schaltung oder Automatik? Preisspanne?“ Seine Augen funkeln vor Gesprächsbereitschaft und er beginnt wild in sein Handy blechernde Schlagworte zu tippen. „Wie gesagt, schwarz wäre cool!“ antworte ich. Er stopft sein Handy zurück in die Tasche „Boh, das Wetter ist echt scheiße heute, ne?!“   

lEUCHTMITTEL

Der Stern bleibt! Ich bin kompromissbereit, aber selten! Und schon gar nicht bei der Frage nach der richtigen Deko zur Adventszeit. Direkt nach der feierlichen Anbringung ins Fenster, muss ich mir bereits Sticheleien anhören „Hinter der Gardine hängt der gut!“ Ich verstehe ja, dass die meisten Kerle wenig Interesse an Lametta, Zapfen und leuchtende Birnen haben. Zumindest zur Weihnachtszeit. Aber es ist nur ein Stern! Punkt! Ich halte mich schon gewissenhaft zurück, um den Grinch nicht zu locken. Ich bin sehr dezent. Was man vonmir in anderen Lebensbereichen nicht behaupten kann. Es geht ausserdem viel schlimmer! Ich kenne Häuser, da findet man den Eingang vor lauter Kitsch und Lichtern nicht mehr. Das Christkind selbst würde hier kein Auge zumachen. Kein Wunder bei dem ganzen Gefolge und Geblinke im Vorgarten. Da sind überdimensionale Rehe, Schneemänner, Nikoläuse, Schafe und Schlitten. Alles scheint bei Einbruch der Dunkelheit lebendig zu werden! Monstermässig! Grell schreit es einen an in blau und neon! Ein richtiger WeihnachtsZoo gefüttert mit Strom. Praktisch daran: er ist nicht zu übersehen! Also, wenn man nachts unterwegs ist und dummerweise eine Panne hat, aber kein Handy, keinen Glühwein und keine Orientierung parat, dann lässt man sich einfach vom Feuerwerk leiten. Das führt einen direkt zum Hexenhaus! Ob man da angekommen auf Hilfe hoffen darf, ist eine andere Frage! Zumindest erfriert man nicht bei 10.000 Watt auf dem EinfamilienDach. Was will man mehr?! Nicht erfroren, aber blind! Frohes Fest! Gute Fahrt!