rAMSCH

Shopping im Urlaub. Wenn der entspannte Geist auf Ramsch in Bastkörbchen trifft. Ich stelle euch vor, mein neuester Ramsch: Ein tuffiges Haarband mit viel Stoff in viel pink. Hach, beim Bezahlvorgang fühlte ich mich kurz ein wenig Mädchen. Abends vorm Spiegel habe ich das Haarband dann lachend aus der zehnten Frisur gezogen und pragmatisch zum Armschmuck umfunktioniert. Wer kennt sie nicht, diese Momente, wenn man noch sonnengetankt im Souvenirshop flaniert und sich Schätze für die hintere Schublade kauft. Das schulterfreie, semidurchsichtige Strandkleid, das man noch stolz an der Promenade präsentiert und dann im heimischen Kleiderschrank ausbleicht. Ich hab schon so viel Quatsch gekauft im Urlaub. Von diversen Touri-T-Shirts, Hüten und Tüchern geht es über Präparate zur kosmetischen Komplettüberholung hin zum viel zu schrillen Lippenstift. Weit genug weg von Daheim wird man mutig im Portemonnaie und im Geist. Wer weiss, ob einen der animalische Körperduft aus der spanischen Drogeria nicht auch ein wenig wilder macht? Gerne wälzte ich mich dann mit dem Erwerb von Kastagnetten und Terracotta-Aschenbechern im nostalgischen Fernweh. Ja. Der Sinn ist nicht groß und eine leise Stimme flüstert „Müll“ in mir. Aber es ist doch Urlaub! Da macht man verrückte Sachen. Lässt sich von windigen Strassenhändlern Schlappen andrehen, als Karikatur auf Leinwand pinseln oder sich Zöpfe flechten. Es ist diese eine Zeit im Jahr. Wer sich nun angesprochen fühlt. Du bist nicht allein 🤗🤗😂💛

rETREAT oDER wAS?!

Erholung. Retreat. Detox. Auszeit. Entspannung. Gib dem Wunsch einen Namen. Seit einiger Zeit suche ich nach dieser Lücke im gestressten System und bin nicht müde geworden, mein Umfeld über jegliches WünschDirWas auszufragen. Wo warst du denn schon? Kennst du ein schönes Hotel? Was machst du zur Entspannung? Es kamen da super interessante Antworten raus: Wandern in den Bergen, Radtour durch Deutschland, Tanzen auf Ibiza, Töpfern auf dem Bauernhof, Gruppen-Yoga an der Küste… alles klingt reizvoll. Aber ich bin viel zu norddeutsch, um mit Musterfrau aus Musterhausen ihre gescheiterte Ehe zu debattieren. Oder irgendwelche Kristalle mit Energie zu beladen. Mit fremden Menschen die Matten und sein Herz ausrollen? Ne. Irgendwie nicht. Könnte man bei mir denken. Ja, aber da war der Job in der Kneipe ja noch erholsamer. Da hatte man auch viele Schicksale auf dem Hocker vor sich. Aber auch ne Zapfanlage als Abwehrsystem. Ich will auch nicht die Welt diskutieren. Das muss man im Alltag schon oft genug. Krieg, Corona, Gaspreise, Waldbrände, politisches Beben, Diversity, Female Empowerment, Kindererziehung, Partnerschaft, Pfannengerichte. Es gibt so viel Zeug zu denken. Ich will gar nicht von der Liste der Todos reden. Die klatscht gerade freudig mit der Denkerei ab, in der Hoffnung, dass ich (Besitzerin dieser Listen) ins Tun komme. Ja. Versprochen. Ich werde eine Lücke für die Erholung bauen, schaufeln, erstellen. Das mach ich. Aber jetzt hab ich Urlaub. Da denke ich nur auf halber Kraft und der innere Abwesenheitsassistent ist aktiviert. Liebes Hirn, ich befinde mich derzeit im Urlaub! In dringenden Fällen, melde dich bei der Zentrale unter 555-Nase! Ein Prosit auf die Erholung 🧘‍♂️☀️😂

uRLAUB oDER sO äHNLICH

 
Was hab ich mich wund gelacht. Zu Hause auf dem Sofa. Diese ganzen lustigen Sprüche, Tweets, Memes zum Thema „Urlaub mit Kindern“! Herrlich. Und wisst ihr was, sie haben alle recht. Alle. Ich wunder mich nicht mehr, dass die Scheidungssrate nach der Urlaubszeit am größten ist. Erwachsene hoffen auf Erholung. Kinder hoffen auf Aktion. Es startet schon mit der Fahrt. KofferraumTetris trifft Wunschkonzert. Alles muss mit. Irgendwie. Hat sich der Kuscheltiertransporter endlich in Bewegung gesetzt, wird in Sekundentakt das Navi gecheckt. Wann kommt der Stau? Wieso ist denn hier noch kein Stau? Ist doch Ferienzeit! Freude. Kurz. Denn dann geht es los mit den großen und kleinen Bedürfnissen. Kind 1 muss auf Klo. Nach genau 10 Minuten Autofahrt. Nicht, dass wir nicht zehnmal vorher gefragt hätten. Kind 2 merkt plötzlich, dass man im Auto ja gar nicht laufen kann. Dabei hat es diese Fähigkeit gerade erst erworben und will sie überall anwenden. Scheiße! Es fängt an zu Heulen. Hach, nur noch vier Stunden Autofahrt. Lösung: Laut Singen. Immer den gleichen Fühl-Dich-Gut-Beruhigungssong. Es wirkt. Kind ist ruhig. Mann genervt. Denn Frau respektive ICH singe nicht studioask. Pech. Ich genervt. Ich überdenke meinen alkoholischen Vorrat im Kofferraum. Wir hätten doch weniger Windeln und mehr Wein einpacken sollen! Kosten/Nutzen-Rechnung. 

Und dann kommt man nach sieben Stunden Fahrt nass geschwitzt, heiser und mit Kekskrümmeln in der Bettwäsche am Ziel an. Dünen, Meer und große Kinderaugen. Ist es das, was Urlaub ausmacht? Wenn die Vorfreude zum Jetzt wird? Vielleicht. Urlaub mit Kindern ist auf jeden Fall eine Herausforderung. Als Single musste es einfach nur warm und mit viel Happy Hour sein. Jetzt analysiere ich schon Wochen vorher den nächstgelegenen Supermarkt, die geschlossene Terrasse des Ferienhauses und die Ausstattung der Küche. Es gibt so viele schwachsinnige Dinge zu klären: Ist das Wasser im Meer auch warm genug zum Baden für die Kinder? Gibt es zumindest eine Badewanne? Und dann steht dein Kind an dem wunderschönen Strand und bekommt einen Wutanfall von dem Sand! Ähm. Ja. Egal, was du vorher planst, es kommt anders. Kinder sind ein fleischgewordener Plot Twist. Rechne nie mit einer bestimmten Handlung. 

Man ärgert sich noch über die Sturheit des Knievolks und dann sitzen die zwei da im Gras, blinzeln in die Sonne und Lachen über einen Furz. Hach, ein Hauch von Urlaub. Zwar etwas stinkend, aber schön. Ich halt das ganz schnell fest. Wer weiß, was in diesem Film noch passiert.