zEITzEUGEN

  
„Wieso ist da so viel lila unter deinen Augen?“ fragt mich meine kleine Nichte. Ich erwider nur, dass es bestimmt die Wimperntusche sei, die vom vielen Lachen verrutscht ist. Bis mir einfällt, dass ich gar nicht geschminkt bin 😬🙈 Tja, Zeichen der Zeit. Puh. Es ist natürlich ganz normal, dass wir Augenringe, graue Haare, Falten und ein paar Wehwehchen bekommen. Aber in letzter Zeit fallen mir bei mir leider echt viele auf und scheinbar nicht nur mir 😂 Kinder sind die härtesten Beobachter. Mein Großer hat mir ja letztens auch schön erklärt, dass er in den Katalogen schon gerne die halbnackigen Mädels anguckt, aber ich würde beim Duschen doch eher komisch aussehen 😂😂😂 Zum Glück ist es auch witzig. Gestern habe ich die Haare getuscht! Getuscht mit Haarmaskara (kann ich übrigens voll empfehlen)!! Vor drei Wochen hatte ich hier noch ne große Klappe… ich lass das grau rauswachsen! Das steht mir. Tja, wohl nicht. Ich fühl mich nicht bereit dafür. Ich hab kein Problem alt zu werden, nur mit den Begleitumständen 🙃😬 Zumindest scheint der Fuß sich zu erholen. Er zwickt nur noch morgens und abends, nicht mehr im Vollpension 🤣🤣🤣

Mensch Mädel, denkt dann irgendwann mein Zwischenhirn. Alles nicht so wild. Du gehst noch ungeschminkt aus dem Haus und keiner läuft schreiend weg. Obwohl, die Katze vom Nachbarn hat mich gerade draußen echt schief angeguckt 🤪🤣 Wahrscheinlich weil ich aussehe wie ein übergroßer Pandabär mit lila unterlaufenen Augen, grauen Wutsträhnchen im Haar, verpickelt, verschlafen und das alles verpackt in einem viel zu kleinen Shirt. Ich würde auch Gucken 🤣🤣🤣😂😂😂 

Auf die Realität! Machen wir das beste draus 🥳

Es hilft ja nix! Und jetzt erstmal Kaffee, die Antifaltencreme zum Trinken 🥰

kAFFEEgEDANKEN

  
Wir bleiben zu Hause. Immer noch. Seit sechs Wochen denken wir unsere Wände gerade weiter als sie sind. Immer noch bemühen wir uns um so viel Normalität wie möglich und Wahnsinn wie nötig. Lagerkoller inklusive. So viel Fremdbestimmtheit. Uns fehlt die Freiheit. Uns fehlen Freunde und Familie. Wie gerne würde ich jetzt einfach – ohne Abstand, ohne Risiko – für einen Kaffee zu der Freundin oder der Mutti. Drücker verteilen, Hände halten. Es wird nach dem ganzen Scheiß alles nicht mehr so selbstverständlich sein. Das ist wohl das Beste an der ganzen Geschichte. Wenn es etwas Gutes daran gibt. Wenn ich mir so die Nachrichten anschaue, ist es schon unglaublich traurig, was da draußen in der Welt passiert. Da kommt so ein Virus und legt alles lahm. Macht uns Menschen ganz schön klein im Universum. Als Kind hatte ich mal die verrückte Vorstellung, dass da oben zwischen den Wolken Riesen leben und mit uns Menschen spielen. Wie kleine Matchbox Autos lenken sie uns über den Straßenteppich namens Erde. So verrückt klingt das heute gar nicht mehr. Was mich hier am meisten an der Situation stresst: Wie lange dauert diese Ausnahme noch? Denn ich werde während dieses Shutdowns nicht zu einer besseren Version von mir selbst. Ich sehe mittlerweile so aus, wie ich mich fühle. Ziemlich müde. Und der graue Ansatz schimmert schon lange nicht mehr blond. Und ich bin zu fett für meine Füße. Danke an die schönen Bilder beim Röntgen. Tja, eine Erkenntnis die ordentlich schmerzt… Ferse und Herz. Wenigstens ist die Motivation noch groß, diese außergewöhnliche Zeit so sinnvoll wie möglich zu nutzen. Und selbst, wenn nicht? Muss ich wirklich das alles Lernen, Lesen und auch noch Wollen! Reicht nicht eine mittelnormale Version von mir? Ja. Ich glaube schon. Ich muss nicht lernen zu meditieren, mir reicht eine Runde Duschen mit geiler Mucke. Allein, mit abgeschlossener Tür und keinen kleinen Fäusten die an dieser trommeln. Durchdrehen, Freidrehen, Tanzen. So wichtig im Leben. Und über die Jahre sind diese Momente so viel weniger geworden. Das wird mir jetzt mit der 40 im Nacken ganz schön bewusst. Selten ist es hier so leise, dass man seinen Gedanken mal lauschen darf. Man muss schon ganz genau hinhören, um sich nicht zu überhören! Und Luftgitarre mit einem zweijährigen auf dem Arm geht verdammt auf den Rücken. Ist aber auch eine Menge Spaß. Also, dreht die Mucke einfach mal richtig laut und tanzt rein in den Tag! Das pustet den Kopp durch und die doofen Gedanken ein Stück beiseite. 

#durchhalten #muckelaut

cORONATAINMENT

  
Was man so zu sagen hat im alltäglichen MuttiTasking:

– Nimm den Buggy aus der Spülmaschine!

– Nicht so doll! Bekommt er denn noch Luft? 

– (Heul) Gleich…

– zieh deine Hose hoch!

– Pssst… Mama telefoniert… PSST… wartet… bitte… ach Fuck. Was ist denn?

– Wo ist deine Unterhose? Wo sind alle deine Hosen? Warum ist der Kleiderschrank leer?

– Wieso hat dein Bruder eine Beule? Ich war das nicht, ist die falsche Antwort! 

– Ich koche jetzt. Ich habe Hunger. Ich koche ja jetzt. Ich habe HUNGER. Ich schneide einen Apfel. Ich habe richtigen Hunger. Ich koche ja schon. (Heul)

– (Heul) Gleich…

– Mama, warum ist Milch im Weltraum eine Blase?

– Warum liegt hier überall Essen im Bett?

– Zieh dir mal bitte eine richtige Hose an!

– Ja, das iPad ist immer noch kaputt! Die Werkstatt hat auch Corona! (Heul)

– (Heul) Mal gucken was auf KiKa läuft!

– Ich mache die Tür auf! Ja, das Paket ist nicht für dich (Heul)

– Mama, guck mal! 

– Mama, guck mal!

– Du hast so viele Spielsachen! Sortier doch mal nach Farbe! 

– Das gehört Papa! Nur gucken! Das ist das mit den Augen! Finger weg!!!!

– Wer war an meinem Computer?

– Auch was gesundes! Ja, in Ketchup sind Tomaten. Mist.

– Auch das Brot essen! Nicht nur die Wurst! 

– Beide Hände an den Becher… Argh… zum Glück nur Wasser… ach scheiße … SaftSchorle

– Haben wir immer noch Urlaub? Jaaaaaaaaa 

– Willst du was malen? Nein. Willst du puzzeln? Nein. Willst du raus? Nein. Dann kann ich dir auch nicht helfen (Heul)

– Runter vom Tisch!

– Ich bin nicht müde! Ich aber! 

– Mama, guck mal! Das sieht aus wie ein Fisch! Dann schick ihn bitte schnell durch den Abfluss ins Meer. Immer diese Klogespräche. 

wERKELmAPPE

   

Fliegen bei euch auch so viele „Kunstwerke“ herum? Fast zu hübsch zum Aufhängen und fast nie landen sie im Papiermüll 😂 Dann aufgepasst: So eine BilderMappe zum Verstauen geht ratzfatz… alten Karton aufschneiden, Seitenteile zusammen legen, anpinseln, Band durch und Kunstwerke rein 🤩🌈☀️🥳 #ratzfatzbasteln #kanndaswegoderistdaskunst 

lETHARGIE

  

Sofagespräch: Bist du auch so müde? Ja. Hast du nicht gerade Mittagsschlaf gemacht? Ja. Die Unterhaltung ist beendet. Es ist 15h. Wir gähnen in unsere Kaffeetassen und ziehen die Decken unters Kinn.Diese Lethargie des Wartens. Gruselig. Hätte mir vor zwei Monaten jemand Zeit geschenkt, ich hätte mich riesig gefreut, endlich dieses oder jenes zu erledigen. Ich hätte das Sofa mit den Kids richtig genossen, das ungemachte Beet umgegraben und die Haare singend aus dem Flusensieb sortiert. Das wäre ja eine zeitlich begrenzte Ausnahme gewesen. Wie ein kleines WellnessWurmloch in unserem Alltag. Jetzt haben wir eher einen längerfristigen Einsatz auf einer Beobachtungsstation im Weltraum. Wir dürfen gucken, aber bitte nicht rausgehen zum Spielen. Und keiner weiß, wie lange dieser Einsatz noch dauert. Macht mich dieser Umstand so müde? Diese Unwissenheit? Oder ist es doch Faulheit? Letzteres würde ich mir eh nicht eingestehen, also streichen. Ich pflege ToDoListen, die ich dann vergesse. Ich beschließe Aufzuräumen und räume nur um. Das Ergebnis ist Chaos. Ich beschließe den Kleiderschrank auszumisten – bereits das siebte Mal. Die Krümel in der Besteckschublade sind auch noch da. Die planen bereits die Übernahme der Backlade. Bald ist das bestimmt ein Kuchen. Ich bin soooo antriebslos und doch voller Tatendrang. Wie ein Marathonläufer der plötzlich nur zum Klo rennen darf. Der Vergleich ist etwas irreführend bei mir. Trifft den Kern der Aussage dennoch. Und dann telefoniert man mit Freunden, der Verwandschaft, der Bekanntschaft. Hört traurige Stimmen, bedrückende Worte. Menschen dürfen kranke Angehörige plötzlich nicht mehr sehen. Da sind finanzielle Nöte, Ängste um die Existenz. Getrennte Liebespaare, getrennte Familien. Das sind Gespräche, die mich wieder auf Kurs bringen. Generell ernährt sich mein Hirn und Herz aus Begegnungen. Wenn auch gerade meist nur telefonisch und derbe reduziert durch ‚kontaktlos’! Ganz oft stehe ich bei solchen Telefonaten in unserer kleinen Küche bei der Kaffeemaschine, gucke aus dem Fenster und mache eine innere Zäsur. Uns geht es richtig gut. Noch einmal sacken lassen: Richtig gut! Es sind NUR Kekskrümel. Ran da! Wo ist der Staubsauger?! Friss Keksstaub, du Lethargie!

#langeweilestartetimkopf #wirwarten