oTTO

Mein erstes Mal hatte ich mit Otto. Ja, jetzt ist es raus. Und es hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Rückblick: Eine lange Schlange hatte sich schon durch die Fußgängerzone gebildet. Zappelig hüpfte ich zwischen den Leuten hin und her. Warten war nicht so mein Ding. Endlich, die Tür wurde aufgesperrt und das erste, was ich wahrnahm war dieser unglaublich geile Geruch. Popcorn! Hatte ich vorher noch nie gegessen und ich klebte natürlich direkt an der Scheibe des ploppenden Automaten. Eine Hypnose hätte nicht zielführender sein können. Ich wollte direkt die größte Portion, die geht!

Meine Brüder waren schon Profis in Sachen Foyer und wussten genau, wie das hier läuft. Schaukasten anschauen, Tickets kaufen, Naschkram aussuchen, die besten Plätze sichern, Film mit Möchtegernwissen anteasern, auf „Like ice in the sunshine“ warten und hoffen, dass es noch Eiskonfekt gibt. Ich war vollkommen neu. Mein erstes Mal Kino. Mein erstes Mal Otto. Die Leinwand war gigantisch. Ich musste meinen Kopf immer nach links und rechts bewegen. Wie bei einem Tennisturnier. Und ich habe bei den Blödeleien so heftig Lachen müssen, dass meine Fanta mehrmals durch die Nase geschossen ist. Zur Freude meiner Brüder. Mein Papa war schon lange nicht mehr anwesend. Der ist mitten im Film eingeschlafen und schnarchte gemütlich im roten Samt. Unvorstellbar als Kind. Heute, über 30 Jahre und zwei Kinder später, weiß ich genau, wie entspannend das weiche Dunkel sein kann.

Lieber Otto, du hast meine Freude an dem Medium Kino mitbegründet. Dankeschön dafür! Und ganz nebenbei: Alles Gute zu deinem Geburtstag! Wir sehen uns wieder im Kino…

©Tobis StudioCanal GmbH & Co. KG

pOTATO

Darf ich vorstellen: Mr. Kartoffel! Gezüchtet aus Tanning Drops und pandemischer Neugier. Mal sehen wie lange dieser Fleck mich begleitet. Er erhellt auf jeden Fall mein Gemüt! Silbershampoo, Saftkur, Selbstbräuner… So experimentierfreudig war ich zuletzt mit jungen 16 Jahren. Weißer Kajal, roter Lidschatten und Filzhaare made with Zuckerwasser. Da war verdammt viel Spielraum vorm Spiegel. Und manchmal hat man seinen Mut am nächsten Morgen im Schulbus schon wieder bereut. Vielleicht sollte man die Schultoiletten vorsorglich mit Abschminktüchern ausstatten – oder doch gleich mit einer Zeitmaschine. Schämen muss man sich aber nicht. Wir waren ja alle auf der Suche nach uns selbst und der passenden Verkleidung. Jetzt fühlt es sich irgendwie ähnlich an. Dank Homesitting und den 40ern kommt wohl die nächste Pubertät! Hello again! Auf jeden Fall mit einem Hauch mehr Chanel statt Schlecker 😂

sPLEENS

„Da nervt immer noch was!“ Ich überhöre das, obwohl ich genau weiß, dass es nur eine Verzögerung des notwendigen Handelns darstellt. „MAMA, es nervt was!“ brüllt der Nachwuchs durchs Dunkel. Ein Gorilla wäre kaum leiser. Ein Dschungel kaum erstrebenswerter. 21:47 Uhr. Genau die richtige Uhrzeit für eine Diskussion in Sachen Maniküre bei Kindern. Licht an. Augen wachgebrannt. Ich schneide zum vierten Mal seinen Daumennagel. Kürzer geht nicht. Feilen wurde für doof befunden. Sein kritischer Blick wiegt schwer auf meiner müden Hand. Dann folgt der obligatorische Fingerwisch und das Kratzen auf der Matratze. Er lächelt: „Jetzt gehts!“ Puhhh, da hab ich ja noch Glück gehabt. Wer jetzt denkt das Kaliber Kind legt sich nun einfach hin und schläft, ist falsch verwickelt. Es folgt noch das „Wichtigste des Tages in 100 Minuten“. Daran haben wir uns mittlerweile gewöhnt. Und während er sich in den Schlaf plappert, denke ich an diese Masse an Spleens in dieser Familie. Wie mit dem Daumennagel, der eine ganz bestimmte Form haben muss. Alle kleinen Köpfe haben hier ganz klare Vorstellungen davon, wie etwas zu sein hat oder wie etwas abläuft. Ich bin manchmal nur der Statist in diesem Theater – eine Art ausführendes Requisit 😉 Zum Glück ist es kein Filmdreh. So können mich die selbsternannten Regisseure nicht einfach rausschneiden. Theater ist immer live und ein wenig neben der Rolle 🧡 In diesem Sinne: Schlaft gut und bis zum nächsten Applaus!

eIN jAHR sPÄTER

… ein schöner Versprecher vom Großen 😍 Und passt doch hervorragend zum derzeitigen Gefühl. Zerrissen zwischen Warten, Starten und wieder Hinlegen. Vor genau einem Jahr habe ich in der Heimat gefeiert. Bier, Schnitzel, Kegelbahn. Keinen blassen Schimmer haben wir gehabt, wie absurd die Situation noch werden wird. Irgendein Virus am Ende der Welt. Tja, ein Virus reist nicht gern allein. Das wissen wir jetzt. Und plötzlich klingen die Schlagzeilen wie aus einem schlechten 80er Sci-Fi-Klamauk… Mutante inklusive. Ich freu mich mal wieder auf ein Sommerloch. Wenn es in Zeitungen um steigende Spritpreise, einen königlichen Bordellbesuch oder die Namensfindung eines neuen Zoobewohners geht.Elfriede Eisbär oder so… einfach herrlich ungefährliche News! ✊🏻🤗
#knievolk #versprecher

wOLKENPOST

Mit Knievolk ist Spontanität gefragt. Gestern noch gedacht, heute schon gemacht. Sollte mein neuer Leitspruch werden 😉 Mikkel kam auf die wundervolle Idee seinem Opa zum Geburtstag zu gratulieren. Der feiert heute richtig groß. Ziemlich viele tolle Leute werden da sein. Ohne Pandemie. Ohne Corona. Ohne Abstand. Nur ein wenig weit weg – dieser Himmel. Also gibt es unsere Gedanken einfach per Wolkenpost. Ziemlich grandiose Idee von Mikkel, wie ich finde. Wir schicken also nachher diese Wolke mit einem stürmischen Schupser Richtung Opa und alle lieben Menschen, die sich da oben hoffentlich ganz nah sein dürfen! Feiert schön 🥰
☁️✉️❤️

#wolkenpost #knievolk

sCHNULLER

Nach dem Lockdown ist vor der Schnullerfee 2.0. Dieses ausgebuffte Exemplar lag noch in der Kita und hat auf seine Wiederkehr gewartet. Verdammt. Ole ballert ihn direkt rein und nuschelt siegessicher: „Den hat die Schnullerfee vergessen!“ Shit! Was für ein Souvenir. Wir waren doch gerade seit einer Woche schnullerfrei. Kein schiefes Zigarrenlächeln mehr, endlich keine Verständigungsengpässe und klare Anweisungen für uns als Gefolge. Ok. Nicht durchdrehen. Hysterisch kurz lachen und dann lösungsorientiert rein in die Fantasykiste. Liebe Schnullerfee, hol bitte auch das letzte Gummigeschoss hier ab und lass ein kleines Geschenk da. Ich verspreche auch, dass keine weiteren bösen Überraschungen folgen werden. Es ist auch keine Masche, um mehr Präsente abzugreifen. Wirklich. Ich grubber nochmal durch das Sofa zur Sicherheit! ☺️